Arbeitswelt der Zukunft

Trotz Grippewelle konnte die Kreisvorsitzende Sandra Bubendorfer-Licht gut 30 Besucher in der Bastei begrüßen. Der Top-Referent Thomas Sattelberger ist ein ausgewiesener Experte der modernen Arbeitswelt. Er war lange Jahre in mehreren DAX-Konzernen als Personalvorstand tätig, darunter Conti, Lufthansa und zuletzt bei der Deutschen Telekom. Seine politische Heimat hat Sattelberger mittlerweile bei den Freien Demokraten gefunden, für die er im Herbst bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag kandidiert.

Das aktuelle Umfeld

In seinem kurzweiligen Vortrag skizzierte er zunächst das aktuelle wirtschaftliche Umfeld – hier gebe es gute und schlechte Nachrichten. So sei es in den letzten Jahren gelungen, die Arbeitslosigkeit deutlich zu reduzieren, insbesondere im Süden der Republik herrsche fast Vollbeschäftigung. Daneben sei es bereits gelungen, 30.000 Flüchtlinge in Lohn und Brot zu bringen, weitere 150.000 Stellen für gering qualifizierte Personen seien aktuell offen. Allerdings gibt es nach Sattelberger große Risiken für die Stabilität: neben dem Brexit dürfe man die Entwicklungen in China und den USA getrost bedenklich finden.

Radikaler Umbruch durch Digitalisierung

Nach diesen einleitenden Worten kam Sattelberger zu seiner zentralen Aussage: „Sowohl unsere Produkte, als auch unsere Arbeitswelt werden sich in den nächsten zehn Jahren radikaler wandeln als in den fünfzig Jahren davor“. Starre Arbeitszeitmodelle, die zudem immer weiter verschärft werden, seien hier kontraproduktiv. „Wenn die Lufthansa 2001 nicht ca. 30 % Leiharbeiter gehabt hätte, wäre sie unmittelbar nach 9/11 Pleite gegangen – am Anfang habe man fünf Mio. Euro Verlust gemacht – täglich!“. Natürlich sei das für die betroffenen Leiharbeiter nicht schön, aber zum einen sind diese in einem insgesamt intakten System schnell wieder woanders in Lohn und Brot, zum anderen seien 30 % eben besser als 100 %.

Wettbewerb um Talente

„Die anstehenden Änderungen werden die deutsche Wirtschaft hart treffen – sie wird sich klar in Richtung kreative Wissensarbeit verschieben, weg von der Erzeugung“, führte er aus. Zudem seien auch wichtige Forschungsfelder, etwa die Biotechnologie ohne Not aus der Hand gegeben worden. Wissensarbeit lasse sich nicht in Arbeitszeitmodelle pressen – man müsse weg von Tageshöchstarbeitszeit, hin zur Monats- oder gar Jahresarbeitszeit, noch besser sei – zumindest für höher qualifizierte – Vertrauensarbeitszeit. Denn durch die Möglichkeiten der Digitalisierung würden die Betriebe entgrenzt, das Homeoffice werde normal – und von den jungen Mitarbeitern nicht nur nachgefragt, sondern auch gefordert. „Und das ist ein Problem: denn für DAX-Unternehmen und Mittelständler gilt gleichermaßen, dass nicht mehr Kapital und Boden erfolgskritisch sind, sondern Kopf und Herz, also die motivierten Talente, ohne die keine Innovation möglich ist“, führt er aus. Das sei auch ein Wettbewerb über Ländergrenzen hinweg – gut 30 % der Talente im Silicon Valley seien deutsche Expats.

Rahmenbedingungen für die Digitale Soziale Marktwirtschaft

Diesen Entwicklungen stünden in Deutschland und Europa Gesetzgebungen entgegen, die antiquiert wirken und der Natur nach der körperlichen Arbeit des 19. und frühen 20. Jahrhunderts geschuldet seien. Es gelte, eine moderne Form der digitalen sozialen Marktwirtschaft zu entwickeln, eine die allen Schutz gewähre, die ihn brauchen - und Freiheit für den erlaubt, der sie will und zu nutzen weiß. „Es ist nicht erklärbar, dass ein Ingenieur nach ein paar Stunden Arbeit am Vormittag nachmittags segeln geht und dann am Abend nicht mehr arbeiten darf!“. Natürlich müssen man solche Freiheiten ggf. an die Qualifikation und an das Stellenprofil knüpfen, denn nicht alle Mitarbeiter können mit allzu viel Freiheit umgehen. Die Wirtschaft sei nicht Selbstzweck, sie habe dem Menschen zu dienen, nicht andersherum. „Aber man darf sich nicht der Illusion hingeben, dass nicht alles automatisiert wird, was automatisiert werden kann!“

Weltbeste Bildung - auch für Erwachsene

Um möglichst viele Menschen auf diesem unausweichlichen Weg mitzunehmen, sei die mit Abstand wichtigste politische Forderung der FDP die nach der weltbesten Bildung. Dabei dürfe man aber nicht nur schulische und universitäre Bildung betrachten, die Notwendigkeit des „lebenslangen Lernens“ ist sowohl in den Betrieben, als auch in den Köpfen der Mitarbeiter noch deutlich ausbaufähig.

Grundeinkommen - Bedingungslos?

Im Anschluss an den Vortrag entspann sich eine engagierte Diskussion, bei der insbesondere das Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“ thematisiert wurde. Sattelberger dazu: „Hier halte ich es mit Voltaire: Arbeit hält drei große Übel fern: die Lageweile, das Laster und die Not“. Ich denke, dass das Wort „bedingungslos“ schon ein Problem ist. Aber ich glaube auch, dass viel Arbeit im nicht klassischen Sinn erbracht wird, die vielleicht über ein Grundeinkommen entlohnt werden könnte, wenn es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt: das könnte ehrenamtliche Arbeit sein, Bürger- oder Familienarbeit, etwa die Pflege von Angehörigen.

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