Helmut Markwort und viele Fakten

Es dürfte viele Mitglieder der örtlichen CSU irritiert haben: stand da ganz frech das qietschgelbe Fakto-Mobil, das Wahlkampf-Gefährt von Helmut Markworts auf dem Parkplatz vor dem Eingang zum Hinterecker in Ampfing. Denn zeitgleich zur Kür des CSU-Bürgermeisterkandidaten hielten die Freien Demokraten im Biergarten ihre Kundgebung ab.

Als Chefredakteur des Gong und Gründer des Nachrichten-Magazins "Focus" genießt Helmut Markwort großes Ansehen und möchte dies als "Erzliberaler" zum Nutzen seiner Herzenspartei FDP zum Einsatz bringen, indem er sich als Landtags-Kandidat aufstellen ließ. Dass sein Einzug gar nicht so unwahrscheinlich ist,  ist der Besonderheit des bayerischen Wahlsystems zu verdanken: zwar legt jede Partei eine Liste fest, in der sie ihre Kandidaten den Wählern vorlegt, diese können jedoch durch gezielte Stimmvergabe bei der Zweitstimme Kandidaten "nach vorne" wählen. Und so stehen auch die Chancen gut, dass Markwort als Alterspräsident die Gelegenheit erhält, zur Eröffnung der CSU zwanzig Minuten lang die Leviten zu lesen.

 

 

Im Rahmen des Wahlkampfes konnte nun Peter Corticelli, der örtliche Direktkandidat, Markwort begrüßen. Bevor es allerdings im wunderschönen Biergarten beim Hinterecker "politisch" wurde, galt es aber noch einige Widernisse zu überstehen: ohne Mikrofon und Lautsprecher war es zunächst schwierig, zwischenzeitlich machte es auch das 8-Uhr-Läuten der benachbarten Kirche unmöglich, die Referenten zu verstehen. Ein geeigneter Standort fand sich dann indes: von einer Treppe herab, gleichsam "ex kathedra" und mit forcierter Stimme bei gleichzeitig andächtiger Stille des Publikums (immerhin rund 80 Personen hatten den Weg zum Hinterecker gefunden) fand man einen akzeptablen Modus.

Thematisch lagen die Schwerpunkte vor allem beim Wohnungsbau - Marktwort plädiert dafür, dass will Erst-Erwerber von Eigenheimen keine Grundsteuer mehr zahlen müssen. Denn gegen teure Mieten helfe am Ende nur das Eigenheim. Mit Corticelli stimmt Markwort darin überein, dass man gegen die überbordende Bürokratie vorgehen müssen - auch die Vielzahl teils unsinniger Vorschriften mache Wohnungsbau, aber auch Infrastruktur-Projekte wie die B15neu, unnötig teuer und somit oft auch von vorneherein unmöglich.

Für die CSU hatten beiden Kandidaten wenig gute Worte: „Zwei Kreuze für die FDP sind besser als eines im Finanzamt“, appellierte Markwort an die Gäste, während Corticelli auf die oft widersprüchlichen Aussagen verschiedener, auch hochrangiger Politiker hinwies, wenn es beispielsweise um die Trassenfestlegung der B15 neu geht. Auch die Führungsqualitäten von Markus Söder waren Ziel von Kritik: "wie schnell war doch Frau ... wieder ruhiggestellt, nachdem sie, recht harmlos zudem, die Kruzifix-Pläne dezent hinterfragt hatte.

Gleichwohl sei die CSU in Bayern noch alternativlos - es könne aber gelingen, ihr ein Korrektiv zu verpassen, das ihr zeige, dass Bayern und CSU eben nicht identisch seien. In der letzten Legislatur sein das inhaltlich gelungen, in der Wahrnehmung der Bürger wurde die FDP jedoch als zu zahm wahrgenommen. Das werde ab Herbst nicht mehr passieren.

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